Predigten aus Alttann

In unregelmäßigen Abständen stellen wir hier Predigten ein, die in Alttann gehalten wurden

Aktuell: Thema Steine und Mk 3,1-6

Aktuell ausnahmsweise 2 Predigten aus dem Herbst

Predigt vom 15.10. - Markus 3,1-6

1.             Ob dieser Jesus ein angenehmer, umgänglicher Zeitgenosse gewesen ist? Wohl eher nicht.

 

2.             Mit seinen Ansichten, mit dem was er sagte und tat, da war er seiner Zeit viel zu weit voraus. Wahrscheinlich ist er jeder Zeit immer weit voraus.

 

3.             Angeeckt ist er bei vielen. Warum eigentlich?

 

4.             Was hat ihm so viele Schwierigkeiten gemacht? Oder besser gefragt: Wem hat er so viele Schwierigkeiten gemacht?

 

5.             Es war nicht die Masse der Menschen; davon hört man nie. Sie wollten ihm zuhören. Sie wollten sich von ihm heilen lassen, sie hingen an seinen Lippen, wenn er in Gleichnissen von Gottes Reich erzählte.

 

6.             Schwierigkeiten machte er den herrschenden Schichten und Probleme machte er den Sicheren. Denen, die sich ihrer Meinung von Gott und der Welt so sicher waren.

 

7.             Schwierigkeiten machte er – kurz gesagt – denen, die etwas zu verlieren hatten.

 

8.             Und zu verlieren hat nur der etwas, der etwas hat. Das muß nicht unbedingt Geld sein.

 

9.             Auch eine festgefügte Meinung, ein Vorurteil oder ein Glaube ist etwas, was ich habe und verlieren kann.

 

10.         Die Reichen, die mochten ihn nicht. Hat er sich nicht immer für die Armen eingesetzt? Reichtum kam nicht gut bei ihm weg.

 

11.         Die Herrschenden, die mochten ihn auch nicht. Die Römer konnten sowieso mit den Juden und ihrer Religion nichts anfangen und Herodes und seine Nachfolger die fürchteten mit Recht um ihre Macht und ihren Einfluß. Sie standen zwischen den Römern und dem Volk. Sie witterten Hochverrat und Aufstand und dann wär´s zu Ende gewesen mit dem schönen Leben.

 

12.         Die hohen geistlichen Ämter am Tempel in Jerusalem, die konnten natürlich nichts mit ihm anfangen, schließlich hatten sie von Amts wegen die Wahrheit in Pacht und die wird vererbt und darf nicht in Frage gestellt werden. Wo kämen wir denn da hin?!

 

13.         Die Pharisäer schließlich, die sind nicht so leicht zu fassen. Sie muß man in mindestens zwei Gruppen unterteilen.

 

14.         Da gab es entschiedene Gegner ebenso wie weltoffene Geister, die erst einmal hören und prüfen wollten. Und nicht zuletzt gab es gerade aus dieser Gruppe Menschen, die auf die Seite Jesu wechselten.

 

15.         Die Pharisäer, das ist entschieden die interessanteste Gruppe von allen.

 

16.         Pharisäer waren keineswegs alles Schriftgelehrte. Allerdings viele Schriftgelehrte waren Pharisäer. Pharisäer, das war kein abwertender Begriff. Er drückt vielmehr eine bestimmte Glaubenshaltung aus. Die Pharisäer nahmen ihren Glauben ernst. Und sie nahmen die Heilige Schrift ernst. Sie versuchten sie in ihrem Leben umzusetzen.

 

17.         Dabei jedoch gab es unterschiedliche Schulen. Die einen versuchten den Wortlaut der Bibel ins Leben umzusetzen, die anderen versuchten den Geist der Bibel umzusetzen.

 

18.         In zahlreichen Streitgesprächen kam dieser Unterschied zum Ausdruck.

 

19.         Viele rabbinische Geschichten, auch lange nach Jesus zeigen noch die tiefe Weisheit und zugleich Frömmigkeit dieser Männer.

 

20.         Pharisäer waren Menschen mit einem sehr ernsten Glauben und einer ernsten Frömmigkeit. Sie nahmen weder sich, noch ihr Leben, noch andere Menschen leicht. Sie machten sich Gedanken. Und sie sind bei dieser Arbeit auf bestimmte Regeln gestoßen, die sie einzuhalten entschlossen waren. Diese Regeln galten als eisernes Gesetz.

 

21.         In Frage hat Jesus die Buchstabengläubigen gestellt. Und das immer wieder. Ihnen hat er gesagt: Wenn ihr buchstabengläubig seid, dann aber konsequent bis zum Schluß.

 

22.         Jesus verschärfte absichtlich die Gebote, um deutlich zu machen, dass man sich nicht auf ihnen ausruhen konnte.

 

23.         Du sollst nicht töten – das beginnt nicht erst, wenn einer totgeschlagen wird. Auch Worte können töten!

 

24.         Jesus ließ es nicht zu, daß man sich bequem hinter den Worten der Bibel versteckt. „Ich bin ja recht. Ich halte alle Gebote ein.“

 

25.         Wer diesen Weg geht, der muß ihn mit tödlicher Konsequenz gehen, der darf selber nicht das allerkleinste Vergehen auf dem Kerbholz haben. Und wer kann das mit Ernst von sich behaupten?

 

26.         Ich habe vor zwei Wochen über die Fast-Steinigung einer Frau gepredigt. Da waren sie auch zu ihm gekommen, die Buchstabengläubigen und wollten Jesus mit dem Gesetz aus Stein aufs Kreuz legen und er revanchierte sich, indem er ihnen aufzeigte, dass sie in ihrer Hartherzigkeit selber gegen das Gesetz des Moses verstoßen.

 

27.         Die Sicherheit dieser Buchstabenmauer, die hat Jesus den frommen Pharisäern geraubt. O – das ist ein schönes Leben, wenn man so selbstgerecht sagen kann: Ich bin recht. Ich halte alles ein. Ich bin nicht so wie diese Sünder.

 

28.         Vor anderen Menschen kann man wohl so leben – aber nicht vor Gott.

 

29.         Sie haben ihm das übel genommen. Wie alle Biedermänner es übel nehmen, wenn man ihre Fassade ankratzt. Dann schreien sie laut: Haltet den Dieb!

 

30.         Das hat Jesus nichts ausgemacht. Angst hat er keine gehabt. Aber gefallen hat es ihm nicht.

 

31.         So war das auch in Kapernaum an diesem Freitagabend – Sabbatgottesdienst. Wahrscheinlich ist einer von ihnen auf die gute Idee gekommen: „Du da ist doch der Eli - oder wie auch immer er heißt – der hat doch eine gelähmte Hand. Den bringen wir in die Synagoge. Den soll er sehen, der Jesus; und dann werden wir es erleben, ob er selber auch den heiligen Sabbat entweiht. Und dann ist er geliefert. Dann haben wir ihn.“

 

32.         Es reicht ja schon eine einzige Übertretung, die wir ihm nachweisen können, dann ist er geliefert.

 

33.         Ja dann haben sie ihn. Dann ist er weg vom Fenster, dann wird er ihre Rechtschaffenheit nicht mehr stören, dann dürfen sie sich wieder sonnen in der Gnade Gottes oder ist es nur der fahle Glanz ihrer Selbstzufriedenheit?!

 

34.         Der Plan geht auf, glänzend, wenigstens zunächst. Geschickt wird der Mann so plaziert, daß Jesus ihn sehen muß. Und natürlich weiß er worum es geht. Und natürlich weicht er nicht aus.

 

35.         Jetzt gilt es Farbe bekennen. Nicht um des Streites willen, sondern um Gottes willen.

 

36.         Ein Leichtes wäre es gewesen zu sagen: „Ach Eli, ich sehe, du hast eine gelähmte Hand. Weißt du was, morgen habe ich Sprechstunde; komm morgen abend zu mir, dann mache ich dich gesund.“

 

37.         Aber was hätten wir daraus gelernt? Daß Jesus ein guter Heilpraktiker ist?

 

38.         Es geht um die Frage des Glaubens. Was zählt? Der Buchstabe oder der Geist? Gott oder eine Schriftauslegung, die sich selber zu Gott macht?

 

39.         Für Jesus ist die Frage beantwortet. Natürlich heißt es im 2. Mosebuch: Du sollst den Sabbat heiligen, du sollst keine Arbeit tun! Eindeutig. Der Buchstabe ist klar und unumstößlich. Aber Jesus ist nicht um des Buchstabens willen Mensch geworden, sondern um des Menschen willen.

 

40.         Doch was jetzt – der schöne Plan droht zu scheitern: Jesus stellt seinerseits eine Frage: „Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten?“ O – eine gefährliche Fangfrage.

 

41.         Sie hatten die Falle gestellt, indem sie ihn vor die Alternative stellten: Soll man am Sabbat arbeiten oder nicht arbeiten. Und er stellt nun seinerseits eine Falle, indem er auch das Nichtarbeiten zur Arbeit erklärt. Nichtstun im Falle der Not ist Böses tun oder gar töten.

 

42.         Das paßt ihnen gar nicht. Sie bestimmen die Spielregeln nach denen gespielt wird. Und die Spielregel lautet: Wer nichts tut, kann nichts falsch machen! Heißt es doch: Du sollst nicht töten, nicht stehlen, nicht begehren, am Sabbat nicht arbeiten.

 

43.         Du sollst das Böse nicht tun, dann bist du gut! Das paßt gut in ihr Weltbild. Sünde ist Böses tun.

 

44.         Aber: Gutes nicht zu tun, soll das auch Sünde sein. Niemand kann von mir verlangen Gutes zu tun. Wo fängt das an, wo hört das auf.

 

45.         Also: Nicht in die Falle gehen! Nicht antworten! Und sie schwiegen still. „Doch nicht mit uns! Wer weiß, daß er recht hat, der muß doch nicht auf die Argumente des andern eingehen. Wer weiß, daß er recht hat, der bestimmt die Spielregeln. Punkt!

 

46.         „Und Jesus sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz“. Wundert uns das?!

 

47.         „Strecke deine Hand aus!“ sagt er zum Gelähmten. Was jetzt kommt ist nur noch Routine. Das Spiel wird zu Ende gespielt. Der Mann streckt die Hand aus, seine Hand wird gesund. Die Pharisäer triumphieren und halten Rat mit den Anhängern des Herodes, eigentlich ganz und gar nicht ihre Freunde, wie sie diesen Störenfried beseitigen können.

 

48.         Markus hat gar kein Interesse mehr daran, das Ende der Geschichte plastisch zu schildern. Fragen drängen sich auf: Warum hat Jesus den Sabbat geschändet. Er hat doch gar nichts gearbeitet. Er hat doch nur gesprochen. Es ist keine Rede davon, daß er ihn geheilt hat. Die Hand wurde gesund.

 

49.         Aber egal! Darum geht es nicht. Das Entscheidende ist geschehen. Das Entscheidende ist nicht die Heilung. Das Entscheidende ist die Botschaft, die Jesus bereits gegeben hat.


50.         Die Mitte der Geschichte: Die buchstabengläubigen, frommen Pharisäer haben versucht mit ihrer buchstabengemäßen Auslegung der Heiligen Schrift den Sohn Gottes zum Sünder zu machen. Ihn vorzuführen vor aller Öffentlichkeit.

 

51.         Dass der Begriff „Pharisäer“ inzwischen eine ganz andere Bedeutung hat, das liegt an vielen Ehrenmännern, die hinter dem Rücken der andern alles andere als Ehrenmänner waren.

 

52.         Da entdeckt man dann schon mal Kinderpornos oder Steuerhinterziehung oder auch nur eine nicht angemeldete Haushaltshilfe.

 

53.         Alles ist gut, solange keiner etwas davon erfährt. Solange kann man seine weiße Weste zeigen. Aber wehe, der Schwindel fliegt auf!

 

54.         Jesus wollte keine perfekten Menschen. Er wußte genau: Niemand ist perfekt. Und wer sich so gibt, ist einfach noch nicht erwischt worden. Jesus wollte keine Menschen die perfekt sind, sondern Menschen, die die Vergebung annehmen, die Gott ihnen schenkt. Menschen, die bereit sind diese Vergebung auch anderen zu gewähren.

 

55.         Menschen, die Gott, seinen Willen und den Nächsten über alle Buchstaben und Gesetze stellen. Wer den Buchstaben über den Menschen stellt, der wird zum Täter, vielleicht sogar zum Mörder. „Soll man am Sabbat Leben erhalten oder töten?“

 

56.         Sie haben sich geweigert diese Frage zu beantworten. Wer Ideale über das Leben stellt, der ist aufs Höchste gefährdet und die Nähe zum Rechtsradikalismus ist von daher kein Wunder mehr. Auch die Nazis haben Ideale über Menschenleben gestellt.

Was ein Christ unbedingt lernen muß ist Vertrauen. Gott ist stark genug, daß er dafür eintritt, daß sein Wille geschieht. Das muß unsere Aufgabe

 

Predigt zu Joh - Eine Frau soll gesteinigt werden...

Bei der langen Kinderkirchnacht war unser Thema „Steine“. Wir versuchen den Kindern auch immer einen biblischen Bezug herzustellen.

 

Wir haben uns entschieden, von den verschiedenen Möglichkeiten und Texten einen - für Kinder zumal - eher gewagten Text zu wählen. Bei der Beschäftigung mit diesem Text ist mir dann aber erst die Dimension deutlich geworden, in der diesem Text steht.

 

Ich lese Ihnen den Bibeltext zunächst vor.

 

Steinigung, das ist nur ein Wort. Wenn man sich aber klarmacht, was damit gemeint ist, erst dann spürt man die brutale Gewalttätigkeit, die sich dahinter verbirgt. Für eine Steinigung wurden Steine ausgewählt, die geradeso in die hohle Hand passen. Nicht kleiner – es würde zu lange dauern bis der Delinquent stirbt. Aber auch nicht größer, sodass er vielleicht schon vom ersten Treffer bewußtlos wird. Es soll ein quälender und schmerzhafter Tod sein.

 

Vollzogen wird die Strafe nicht vom Staat, sondern von den Bürgern. Allen voran die Ankläger. Sie müssen dabei sein, die Strafe vollziehen und als allererste ran. Dadurch wird diese Tötungsart zu etwas sehr Persönlichem. Zugleich aber stehen die Ankläger auf Abstand. Sie haben keine direkte Berührung mit dem Todeskandidaten. Sie müssen ihn nicht anfassen, sie werden von seinem Blut nicht befleckt.

 

Stellen Sie sich das mal vor: Sie haben so einen Stein in der Hand und werfen den nun mit aller Kraft auf einen anderen Menschen – solange bis der wirklich tot ist. Dazu braucht es Entschlossenheit und Wut.

 

Wohl aus diesem Grund waren Steinigungen auch häufig eher spontane Akte, die aus einem unmittelbaren Anlass heraus vollzogen wurde. Eine aufgebrachte Menge in Pakistan, angespornt von einem Imam meint einen Gotteslästerer zu entdecken, der einen Koran schändet. Man packt ihn, zerrt ihn in die Mitte, bindet ihn an und die Menge bewirft ihn mit Steinen. Wutentbrannt entlädt sich die Energie in einem Steinhagel. In den meisten Fällen wird es wohl gerade so gewesen sein.

 

In unserer Erzählung geht es anders zu: Da wurde eine Frau beim Ehebruch ertappt. Man greift sie, man bringt sie zu Jesus und die Ältesten wollen die Gelegenheit nützen, Jesus aufs Glatteis zu locken.

 

Das Gesetz schreibt die Steinigung für Ehebruch vor – sagen sie. Nun soll Jesus, dem Gesetz folgend, die Frau dem Tod überantworten. Ist er barmherzig, so wird er dem Gesetz widersprechen. Ist er gesetzestreu, so ist er unbarmherzig.

 

Aber Jesus ist barmherzig und gesetzestreu. Warum?

 

Steinigung war die Todesstrafe für Vergehen gegen Gott oder gegen das Volk. Darüber muss man ein wenig nachdenken: Mose hatte 10 Gebote vom Sinai mitgebracht. Darunter das Gebot der Sabbatheiligung und das Verbot des Ehebruches. Nur diese beiden sind tatsächlich mit Steinigung bestraft worden. Wobei Verstöße gegen den Sabbat in Wirklichkeit sicher nie mit Steinigung endeten.

 

Also zunächst einmal sind das Gebote zum Schutz Gottes; zum Schutz seiner Heiligkeit und Würde.

 

Man glaubte, man müsse Gott durch Gebote schützen, deren Übertretung mit dem Tod geahndet werden. Und diese Gebote wurden – dem biblischen Bericht gemäß – in Stein gemeißelt.

 

Solche Gebote sind mit anderen Worten nicht verhandelbar. Diese Gebote stehen mit dem Rücken zur Wand. Man darf sie nicht hinterfragen, man darf nicht nach ihrem Sinn fragen und nicht danach, ob man unter gewissen Umständen auch anders handeln darf, ob sie vielleicht inzwischen das Gegenteil von dem bewirken, was sie beabsichtigten. Nichts dergleichen. Sie sind felsenfest und unverrückbar.

 

Genau das macht sie so gefährlich.

 

Wenn Sie jetzt vielleicht schon mal in Gedanken einen kleinen Ausflug gemacht haben zum IS, zu Al-Qaida, zu den Taliban, dann wundert mich das nicht. Die denken nämlich genau so: Sie haben die Gebote Gottes im Rücken, sie kämpfen für die Ehre Gottes und sie wissen genau, was Gottes Wille ist. Mit anderen Worten: Ihr Wille und der Wille Gottes, sind ein und dasselbe. Ihre Gebote und Schariagesetze dienen der Ehre und dem Schutz Gottes und können und dürfen nicht hinterfragt werden.

 

Nichts ist gefährlicher als Leute, die genau wissen, was der Wille Gottes ist. In Wirklichkeit nämlich ist es ihr Wille, der einfach von niemandem hinterfragt werden darf.

 

Gewöhnlich nennt man Leute, die so denken Faschisten. Und nichts anderes sind diese Leute.

 

Aber gehen wir noch einmal einen Schritt zurück. Zurück in die Wüstensituation am Sinai. Die Gebote zum Schutz Gottes wurden erlassen in einer Zeit, als sich der biblische Gott erst noch durchsetzen musste gegen andere, starke Götter. In dieser Situation hatten diese Gebote noch einen gewissen Sinn. Und dennoch kann man bereits hier fragen: Braucht ein Gott den Schutz durch Menschen? Welcher Gott muss gar durch grausame Todesandrohungen geschützt werden? Ist es wirklich der Gott, der den Schutz braucht oder vielleicht doch eher diejenigen, die von der Verehrung dieses Gottes profitieren?

 

Schon im Judentum gab es beide Stimmen. Die einen betonten den Schutz Gottes, die anderen den Schutz der Menschen. Ein steinerner Gott und ein menschlicher Gott.

 

Dann trat Jesus auf. Dreimal wurde er vom Teufel in Versuchung geführt. Zunächst hatte er Hunger in der Wüste und der Teufel forderte ihn auf, Steine in Brot zu verwandeln. Das andere mal sollte er sich von der Tempelmauer in die Tiefe stürzen. Die Engel würden ihn auffangen, dass sein Fuß nicht an einen Stein stößt.

 

Zufall, dass gerade hier wieder Steine im Spiel sind?

 

Jesus, der Gottessohn kommt verletzbar und verwundbar wie ein kleines Kind zur Welt und der Teufel bringt schon wieder die Steine ins Spiel. Brot und Steine – hart und weich. Jesus ist gekommen, um den Menschen zu zeigen, wie Gott wirklich ist und der Teufel will die Sache gleich wieder hintertreiben und er beginnt sein Verwechslungsspiel.

 

Sich selber an die Stelle Gottes setzen. „Stürz dich hinunter! Die Engel Gottes werden dann schon kommen.“

 

Die Islamisten machen dasselbe. Sie setzen sich an die Stelle Gottes. Wollen wissen und bestimmen, was Gottes Wille ist und in seinem Namen meinen sie das Verhalten der Menschen lenken zu sollen.

 

Das Verwechslungsspiel des Teufels wird bedenkenlos gespielt.

 

Zurück zu Jesus. Jesus war auf die Welt gekommen, um deutlich zu machen: Unser Gott, mein Vater, ist kein altorientalischer Gott aus Stein. Es ist und war immer ein menschlicher Gott, der sich den Menschen zugewandt hat. Die Geschichten von Adam und Eva über Abraham und Jakob bis zu den Propheten haben das immer und immer wieder belegt. Seine Gebote dienten nicht seinem Schutz, sondern dem Schutz des menschlichen Zusammenlebens. Und als Gottessohn wollte Jesus selber für diese Botschaft einstehen.

 

Bei einer Steinigung mussten immer die Ankläger die ersten Steine werfen. Das war durchaus weise. Damit konnte sich keiner aus der Verantwortung stehlen. Wer ein Unrecht feststellte und zur Anzeige brachte, der konnte die Strafe nicht einfach einem gesichtslosen Staat überlassen, der musste selber ran und zwar als erster.

 

Und jetzt kommt das, was Jesus nicht deutlich ausspricht, aber andeutet: Wenn Ihr meint, Ihr müsstet Gottes Ehre verteidigen, dann stellt Ihr Euch an die Stelle Gottes. Wenn Ihr Euch aber an Gottes Stelle stellt, dann müsst Ihr sein wie Gott. Denn als sein Stellvertreter dürft ihr ihm nicht nachstehen. Also: Wenn Ihr sein wollt, wie Gott, dann müsst Ihr auch ohne Sünde sein. Seid ihr ohne Sünde, dürft Ihr Gottes Ehre verteidigen – seid ihr das aber nicht: Was maßt Ihr euch an? Ihr maßt Euch an, wie Gott zu sein! Das ist eine Sünde gegen Gott und nach Euren eigenen Maßstäben, der Steinigung wert!

 

Hat man das verstanden, dann versteht man, warum sie schleunigst ihre Steine niedergelegt und sich klammheimlich verzogen haben.

 

Die Islamisten vom IS und Al-qaida und was es sonst noch gibt, die haben das noch nicht kapiert. Indem sie bestimmen, wer Gott ist, wie Gott ist und was sein Wille ist, stellen Sie sich selber an die Stelle Gottes und erweisen sich so als willige Werkzeuge des Teufels.

 

Mit einem einzigen Satz hat Jesus das zum Ausdruck gebracht und der Evangelist hat in seiner Erzählung das Ganze noch wunderbar in ein zweites Bild gefasst: Jesus malt mit einem Stöckchen im Sand herum. Ehemaliger Stein, der zu feinem Pulver zermahlen und völlig ungefährlich ist, wird dem tödlichen Stein der Ankläger entgegen gehalten.

 

Jesus aber bleibt sich treu: Er hält sich konsequent an das Gesetz Gottes. Eines menschlichen Gottes, der menschliches Leben immer höher achtet als wirkliche oder vermeintliche Ehre. Er hält sich konsequent an das Gesetz und steht dennoch ein für Barmherzigkeit und Menschlichkeit.

 

Von den steinernen Göttern des Altertums über die steinernen Gesetzestafeln des Moses bis zum Stein des Satans und zu Jesus zieht sich die Linie hin, die hier im Verborgenen gezogen wird. Und man erinnert sich an Aussagen jüdischer Gelehrter, die die steinernen Gesetzestafeln dem Herzen gegenüberstellten, in das das Wort Gottes eingeschrieben sein soll.

 

Der einzige und wahre Gott ist nicht auf uns angewiesen, nicht darauf, dass wir seine Ehre schützen und wo auf dieser Welt jemand so etwas behauptet, da outet er sich als Anhänger des Verführers und Satans.

 

Jesus hat so etwas nicht nötig gehabt. Er hat auf jede Art von Schutz verzichtet und hat damit unendlich viel über seinen himmlischen Vater, unseren Herrn ausgesagt.

 

Wohl dem, der auf der Seite des wahren Gottes steht. Amen.